50% Tech + 50% Energy: Schlägt dieses simple Portfolio den S&P 500?

Ein viraler Tweet behauptet: Wer einfach 50% in Tech (XLK) und 50% in Energy (XLE) steckt, schlägt den S&P 500. Wir haben 22 Jahre Daten dagegen laufen lassen – mit echten Transaktionskosten und verschiedenen Rebalancing-Frequenzen. Spoiler: Die These stimmt – aber nicht ohne Haken.

Die These

John Arnold postete auf X eine Tabelle mit den jährlichen Returns von XLK (Tech), XLE (Energy) und einem 50/50 Mix aus beiden. Seine Botschaft: Das kombinierte Portfolio liefert höhere Returns bei besserer Sharpe Ratio als die einzelnen Sektoren. Der Grund: Tech und Energy bewegen sich oft gegenläufig – wenn der eine Sektor schwächelt, läuft der andere.

Tweet von John Arnold zur XLE/XLK Strategie
Der Tweet von John Arnold – die Grundlage für unseren Backtest.

Klingt zu einfach, um wahr zu sein? Wir haben die Daten sprechen lassen – nicht nur für die letzten paar Jahre, sondern über den gesamten gemeinsamen Zeitraum seit September 2003.

Die Methodik

Zeitraum: 10.09.2003 bis 14.04.2026 – 5.684 Handelstage (~22 Jahre).
Startkapital: $10.000, Allokation 50% XLE / 50% XLK.
Simulation: Share-basiert mit Fractional Shares, keine vereinfachte Weight-Approximation.

Wir testen drei Rebalancing-Frequenzen: wöchentlich (1.180 Events), monatlich (272 Events) und jährlich (24 Events). Benchmark ist SPY Buy & Hold. Transaktionskosten folgen dem Interactive-Brokers-Modell: max(0,005 × Shares, $1,00) pro Order – bei jedem Rebalancing fallen 2 Orders an (XLE + XLK).

Ergebnisse: Performance ohne Transaktionskosten

Metrik Weekly Monthly Yearly SPY B&H
End-Kapital $101.519 $100.814 $111.399 $68.111
Total Return 915% 908% 1.014% 581%
CAGR 10,80% 10,77% 11,26% 8,86%
Max Drawdown -51,90% -52,17% -52,65% -56,47%
Volatilität (ann.) 22,71% 22,68% 22,59% 18,68%
Sharpe Ratio 0,48 0,47 0,50 0,47

Alle drei Rebalancing-Varianten schlagen SPY deutlich: +1,91% bis +2,40% CAGR pro Jahr. Yearly Rebalancing liefert die höchste Rendite – seltenes Umschichten lässt stärkere Trends länger laufen. Die Sharpe Ratio des Yearly-Portfolios (0,50) ist besser als SPY (0,47), trotz höherer Volatilität. Und der MaxDD? ~52% beim Portfolio vs. -56,5% bei SPY.

Equity-Kurven: XLE/XLK Portfolio vs SPY, 2003-2026
Equity-Kurven aller vier Strategien seit 2003. Das Yearly-Rebalancing-Portfolio (grün) zieht ab ~2005 davon.

Und die Kosten?

Theorie ist schön – aber was bleibt nach Fees übrig? Wir rechnen mit dem Interactive-Brokers-Modell.

Variante Commission gesamt End-Kapital-Verlust CAGR-Einbusse
Weekly Rebal $2.358 -$9.790 -0,50%
Monthly Rebal $547 -$2.265 -0,11%
Yearly Rebal $52 -$239 -0,01%
SPY Buy & Hold $1 -$1 ~0,00%

Das Ergebnis ist eindeutig: Wöchentliches Rebalancing frisst fast $10.000 End-Kapital durch 1.180 Rebalancing-Events. Jährliches Rebalancing kostet über 22 Jahre gerade mal $52 – praktisch irrelevant. Die Outperformance vs SPY bleibt mit Fees bei +2,39% CAGR für Yearly Rebalancing.

Jährliche Performance: 24 Jahre im Detail

Jahr Yearly Rebal SPY B&H Delta
200310,73%9,14%+1,59%
200417,48%8,67%+8,81%
200521,84%3,50%+18,34%
200610,20%11,78%-1,58%
200727,26%3,42%+23,84%
2008-40,46%-37,74%-2,72%
200928,54%19,88%+8,66%
201012,15%10,96%+1,19%
20110,23%-1,22%+1,45%
20126,15%11,70%-5,55%
201320,58%26,45%-5,87%
20143,78%12,37%-8,59%
2015-10,19%-0,76%-9,43%
201619,66%11,20%+8,46%
201712,97%18,48%-5,51%
2018-13,09%-7,01%-6,08%
201925,24%28,65%-3,41%
20200,89%15,09%-14,20%
202141,08%28,79%+12,29%
202211,88%-19,95%+31,83%
202327,75%24,81%+2,94%
202412,57%24,00%-11,43%
202513,66%16,64%-2,98%
2026*12,54%1,65%+10,89%

*2026: Nur bis 14.04.2026 (unvollständiges Jahr)

Jährliche Returns: XLE/XLK Portfolio vs SPY
Jährliche Returns im Vergleich: Das Portfolio (Yearly Rebal) vs SPY Buy & Hold.

Outperformance-Statistik

In 12 von 24 Jahren schlägt das Portfolio SPY – exakt 50/50. Aber die Verteilung ist asymmetrisch: In guten Jahren gewinnt das Portfolio im Schnitt +10,86%, in schlechten verliert es nur -6,44% gegen SPY. Das Schlüsseljahr ist 2022: Während SPY knapp 20% verliert, legt das Portfolio fast 12% zu – ein Delta von über 31 Prozentpunkten.


Dekaden-Analyse

Dekade Portfolio (ann.) SPY (ann.) Differenz
2000er (2003–2009) 7,89% 0,83% +7,06%
2010er (2010–2019) 7,03% 10,53% -3,50%
2020er (2020–2026) 16,60% 11,76% +4,84%

Interpretation

2000er: Das Portfolio dominiert massiv. Energy profitierte vom Rohstoff-Superzyklus, Tech hatte sich vom Dotcom-Crash noch nicht erholt. SPY litt unter der Finanzkrise – das Portfolio nicht minder, aber der Vorsprung aus 2004–2007 war groß genug.

2010er: SPY schlägt das Portfolio klar. Die FAANG-Rallye trieb den Cap-Weighted S&P 500, während Energy unter dem Schieferöl-Überangebot und dem Ölpreiskollaps 2014–2016 litt. Ein reines XLK-Investment wäre hier besser gewesen.

2020er: Portfolio wieder vorne. Sektorrotation nach COVID: Energy profitierte vom Ölpreisanstieg 2021–2022, Tech blieb langfristig stark. 2022 war der Schlüsselmoment – genau die Art von Regime, in dem diese Strategie glänzt.

Risikoprofil: Drawdowns und Korrelation

Strategie Max Drawdown Peak Trough Dauer
Yearly Rebal -52,66% 19.05.2008 09.03.2009 ~10 Mo.
SPY Buy & Hold -56,48% 09.10.2007 09.03.2009 ~17 Mo.

Beide Strategien teilen denselben Trough – 09.03.2009, der Tiefpunkt der Finanzkrise. Aber das Portfolio erreichte seinen Peak erst im Mai 2008, sieben Monate nach SPY. Der Grund: Energy stieg noch, während der Gesamtmarkt schon fiel. Der MaxDD des Portfolios ist ~4% geringer als SPY, dafür ist die annualisierte Volatilität mit 22,6% deutlich höher als SPYs 18,7%.

Die tägliche Return-Korrelation zwischen Portfolio und SPY liegt bei 0,90 – hoch, aber nicht perfekt. Die 10% Dekorrelation erklären die Diversifikationseffekte und die phasenweise starke Outperformance.

Gewichts-Drift zwischen Rebalancing-Events
Gewichts-Drift: So entwickeln sich die XLE/XLK-Anteile zwischen den Rebalancing-Events.

Fazit: Die These stimmt – mit Sternchen

Einschränkungen

Also: John Arnold hat Recht – aber die Strategie ist kein Free Lunch. Sie funktioniert, weil man systematisch den Gewinner-Sektor trimmt und den Verlierer aufstockt. Das erfordert Disziplin und die Überzeugung, dass Energy und Tech auch in Zukunft gegenläufige Zyklen haben. Für EU-Anleger gilt zusätzlich: XLE/XLK sind hier nicht direkt handelbar – der nächste logische Schritt wäre ein Backtest mit den UCITS-Ablegern, um zu prüfen, ob der Edge auch dort bestehen bleibt. Wer das glaubt, hat hier einen statistisch robusten Ansatz.

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