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Mega-IPO-Analyse · Juni 2026

Was 16 Mega-IPOs über den SpaceX-Börsengang verraten

Dieses IPO wirbelt enorm Staub auf, selten wurde ein Börsengang so emotional diskutiert wie der von SpaceX. Emotionen raus, Daten rein, so wie ihr uns kennt: wir haben 16 der größten Börsendebüts seit 2008 unter die Lupe genommen. Von den ersten Tagen bis zu den ersten Jahren danach. Das Ergebnis ist hochinteressant.

„Mega-IPO" nutzen wir hier als Sammelbegriff: Der Vergleich umfasst nicht nur klassische IPOs, sondern auch Direct Listings (Palantir, Coinbase), das Alibaba-ADR und die Reorganisation von General Motors. Also die prägenden, medial stark begleiteten Börsendebüts dieser Größenordnung.

Geplantes Listing rund um den 12.06.2026 · Ticker SPCX · Bewertung laut Berichten (Reuters/Bloomberg/CNBC) ~1,77 Bio. US-Dollar

Einen Börsengang in dieser Größenordnung gab es noch nie. Schon gar nicht verbunden mit so viel Erwartung. Bevor die erste SPCX-Order (nicht zu verwechseln mit SPXC oder SPCE!)ausgeführt wird, lohnt ein nüchterner Blick zurück: Wie liefen die letzten 16 Mega-IPOs wirklich? Nicht die Schlagzeile vom ersten Tag, sondern die Wochen, Monate und Jahre danach. Die Daten zeichnen ein erstaunlich einheitliches Bild. Und es ist nicht das, was die Eröffnungskurse versprechen. Oder was Anleger erhoffen.

Die Datenlage

Das Wichtigste in 30 Sekunden

12 von 16
stehen nach 6 Monaten im Minus

Nur vier von sechzehn Titeln halten sich ein halbes Jahr nach dem Listing über Wasser.

−24,2 %
Median-Rendite nach 6 Monaten

Der mittlere Mega-IPO steht nach einem halben Jahr rund ein Viertel unter dem Listing-Niveau.

−2,1 %
Median-Schluss am ersten Handelstag

Gemessen vom regulären Eröffnungskurs schließt der mittlere Titel den ersten Tag bereits im Minus.

6 von 15
zurück über IPO-Niveau nach 3 Jahren

Nur sechs der fünfzehn Titel mit vollem Dreijahres-Fenster schaffen die Rückkehr über den Listing-Schluss.

Mega-IPOs starten laut, und sie starten teuer. Wer am ersten Tag zum Eröffnungskurs kauft, sitzt im Median schon zum Handelsschluss im Minus. Und nach sechs Monaten notiert der mittlere Titel rund 24 % unter Wasser. Die wenigen großen Gewinner gibt es, aber sie sind die Ausnahme, nicht die Regel.

Der Sonderfall

Warum SpaceX kein normaler Börsengang ist

Bevor wir SPCX in eine Schublade stecken: Das geht nicht sauber. SpaceX vereint drei Eigenschaften, die einzeln schon jeweils ein eigenes Risikoprofil mitbringen. Und die in dieser Kombination in unserem Datensatz kein einziger der 16 Fälle abdeckt. Die folgenden Eckdaten sind Markterwartungen und Berichte, keine gesicherten Fakten (Quelle: vorbörsliche Berichterstattung von Reuters, Bloomberg und CNBC, Juni 2026).

Größe

Aramco-Klasse

Laut Reuters, Bloomberg und CNBC (Juni 2026) ein Emissionsvolumen von rund 75 Mrd. US-Dollar (bis ~86 Mrd. mit Greenshoe) — das wäre der größte Börsengang aller Zeiten, mehr als das Dreifache von Alibaba (bisheriger US-Rekord). Bei ~135 US-Dollar je Aktie und rund 555,6 Mio. Aktien läge die Bewertung bei etwa 1,77 Bio. US-Dollar; SpaceX stünde damit vom ersten Tag an unter den größten börsennotierten US-Konzernen, noch vor der Schwester Tesla. In dieser Liga spielt sonst nur Saudi Aramco.

Hype

Tesla-Klasse

Starlink als Quasi-Monopol im Satelliten-Internet, dazu der „Musk-Faktor". Erwartungsgetriebene Bewertungen kennen wir aus unserem Datensatz vor allem von einem Titel — Tesla. Genau dieser Hype kann nach oben wie nach unten enorm ausschlagen.

Thin-Float

Snowflake/Figma-Klasse

Erwartet wird ein extrem geringer Free-Float (der frei handelbare Anteil aller Aktien) bei hoher Retail-Allokation. Wenig Material, viele Käufer: Das ist der Mechanismus, der Kurse in beide Richtungen überschießen lässt — bei Snowflake und Figma war genau das der Treiber der frühen Volatilität.

Größe wie Aramco, Hype wie Tesla, Float-Mechanik wie Snowflake oder Figma. Diese explosive Mischung gab es an der Börse noch nie. Genau deshalb ist der Blick auf das Muster der 16 so wertvoll. Er liefert die Bandbreite, in der sich SPCX am wahrscheinlichsten bewegen wird.

Hinzu kommt ein Effekt, der selbst Anleger trifft, die SPCX gar nicht kaufen: Sobald die Aktie in die großen Indizes aufgenommen wird, müssen passive Fonds und ETFs sie kaufen. Das Geld dafür zaubert man nicht aus der Luft, das wird anderswo abgezogen. Bei einem Schwergewicht dieser Größe kann dieses „Crowding-out" die etablierten Tech-Werte spürbar unter Druck setzen.

Wichtig für den Zeitplan: Erwartet werden Lock-up-Termine rund um Tag 180 und Tag 366. Das sind Stichtage, ab denen frühe Investoren und Mitarbeiter erstmals verkaufen dürfen. In unseren Daten sind genau diese 6- bis 12-Monats-Fenster die typischen Sollbruchstellen.
Das Vergleichsuniversum

Die 16 Fälle, an denen wir messen

Wir haben 16 der größten und medial bekanntesten Börsendebüts von 2008 bis 2025 zusammengetragen. Vom Visa-IPO mitten in der Finanzkrise bis zu Figma im Sommer 2025. Bewusst habne wir nicht nur klassische IPOs berücksichtigt: mit dabei sind zwei Direct Listings (Palantir, Coinbase), bei denen es keine klassische Zeichnung gibt und der erste Kurs allein vom Markt gefunden wird, das Alibaba-ADR und die Reorganisations-Notierung von General Motors nach der Staatsrettung 2009. Da westliche Privatanlager Saudi Aramco an der Börse Riad kaum handeln, ist diese Aktie nicht mit aufgeführt. Alle Renditen in den Charts und Tabellen sind relativ zum Referenzkurs des jeweiligen Listings normiert, damit sich Titel unterschiedlicher Preisklassen direkt vergleichen lassen.

Die 16 Mega-IPOs im Überblick — Ticker, Firma, Listing-Datum und Typ.
Ticker Firma Listing Typ
V Visa 19.03.2008 IPO
TSLA Tesla 29.06.2010 IPO
GM General Motors 18.11.2010 IPO (Reorg)
FB Facebook 18.05.2012 IPO
TWTR Twitter 07.11.2013 IPO
BABA Alibaba 19.09.2014 IPO (ADR)
SNAP Snap 02.03.2017 IPO
LYFT Lyft 29.03.2019 IPO
UBER Uber 10.05.2019 IPO
SNOW Snowflake 16.09.2020 IPO
PLTR Palantir 30.09.2020 Direct Listing
ABNB Airbnb 10.12.2020 IPO
COIN Coinbase 14.04.2021 Direct Listing
HOOD Robinhood 29.07.2021 IPO
RIVN Rivian 10.11.2021 IPO
FIG Figma 31.07.2025 IPO

Das Universum ist bewusst breit: Tech und Auto, Plattformen und Fintech, US-Firmen und Alibaba.

Drei Jahre danach

Der lange (schmerzvolle) Weg nach dem Listing

Der erste Tag ist eine emotionale Momentaufnahme. Was zählt, ist der Verlauf danach. Der folgende Chart zeigt für jeden der 16 Titel die kumulierte Rendite über bis zu drei Jahre (756 Handelstage), normiert auf den Listing-Schluss. Du kannst einzelne Titel an- und abwählen, Voreinstellungen nutzen und das Muster selbst herausarbeiten. Die senkrechten Markierungen liegen bei Monat 1, 3, 6, 12 und 24 Monaten; die Nulllinie ist das Listing-Niveau.

Tipp: „Erholt" zeigt die sechs Titel, die nach drei Jahren wieder über dem Listing-Schluss standen. „Tiefste Drawdowns" die vier Titel, die zwischenzeitlich über 80 % verloren.

Der auffälligste gemeinsame Nenner sind nicht Profite, sondern der Drawdown, der maximale Rückgang vom Hoch bis zum Tiefpunkt. Der mittlere Titel rutscht zwischenzeitlich auf −59,8 % ab. Vier Titel (Coinbase, Robinhood, Rivian, Figma) verloren zeitweise über 80 %; Snap und Lyft lagen mit rund −79,5 % nur knapp davor. Nach drei Jahren stehen nur 6 von 15 Titeln wieder über dem Listing-Schluss (Visa, Tesla, General Motors, Facebook, Alibaba, Palantir).

Das bisherige Spektrum der Mega-IPOS ist breit. Der beste Titel nach drei Jahren ist Tesla mit +390,5 %. Der schlechteste ist Rivian mit −88,1 %, diese Aktie fiel zwischenzeitlich sogar um −91,7 %. Zwischen diesen beiden Polen liegt das ganze Spektrum, das auch für SpaceX offen ist.

Renditen je Titel über 1 Woche bis 3 Jahre, plus Hoch, Tief und letzter Stand. Auf eine Spaltenüberschrift klicken, um danach zu sortieren; grün = positiv, rot = negativ. Figma hat kein Ein-/Zwei-/Dreijahres-Fenster (—).

Die ersten 72 Stunden

Die ersten drei Tage — Minute für Minute

Die ersten drei Tag sind kritisch. Hier entscheidet sich enorm viel: steige ich noch ein? Wenn ja wann und zu welchem Kurs? Der Chart zeigt die ersten drei Handelstage minutengenau, normiert auf den regulären Eröffnungskurs des ersten Tags. Standardmäßig sehen wir nur die regulären Handelszeiten (RTH). Über den Umschalter lassen sich die Pre- und After-Hours einblenden — der vor- und nachbörsliche Handel, in dem oft die ersten und heftigsten Bewegungen passieren. Die senkrechten Trennlinien markieren die Sessions Tag 1, 2 und 3.

Tipp: „Pre-/After-Hours einblenden" zeigt die schattierten Randzeiten — hellblau vorbörslich, beige nachbörslich.

Das Knallen der Sektkorken weicht allzuoft Trauerstimmung. Über den regulären Handel gemessen liegt der Median-Schluss am ersten Tag bei −2,1 % gegenüber dem Eröffnungskurs. Der typische (private) Käufer der ersten Stunde ist zum Feierabend also bereits im Minus. Nur 4 von 16 Titeln (Visa, Tesla, Rivian, Figma) schließen den dritten Tag über dem Erstausgabekurs. Die Spannweite ist enorm: Figma schloss Tag 1 +36,8 % über dem Eröffnungskurs, Coinbase −13,9 % darunter.

Open-, Close-, High- und Low-Renditen je Tag (T1–T3), dazu Drei-Tage-Hoch, -Tief und -Schluss. Im erweiterten Modus zusätzlich die Pre-/After-Hours-Werte. Alles relativ zum regulären Eröffnungskurs an Tag 1.

Die Einordnung

Was das für SPCX heißt

Aus 16 Fällen lässt sich keine Garantie ableiten, die Stichprobe ist klein. Aber ein Muster ist durchaus erkennbar. Wir tragen es ehrlich zusammen, mit den korrekten Zahlen, ohne es schönzureden.

Buy-the-Open ist statistisch teuer

Der mittlere Mega-IPO schließt schon Tag 1 bei −2,1 % gegenüber dem Eröffnungskurs und steht nach sechs Monaten im Median bei −24,2 %. Wer zum ersten Kurs greift, zahlt im Schnitt den Hype mit.

6 bis 12 Monate sind die Sollbruchstelle

12 von 16 Titeln stehen nach einem halben Jahr im Minus, 11 von 16 sogar zweistellig. Genau in dieses Fenster fallen die erwarteten Lock-up-Termine (rund Tag 180 und Tag 366) — zusätzliches Angebot trifft auf abkühlenden Hype.

Die Erholung ist die Ausnahme

Nach drei Jahren stehen nur 6 von 15 Titeln mit vollem Fenster wieder über dem Listing-Niveau. Die Mehrheit hat den ersten Kurs bis dahin nicht zurückerobert.

Retail und Thin-Float erzeugen die wildesten Profile

Die volatilsten Verläufe und tiefsten Drawdowns (Rivian −91,7 %, Coinbase, Robinhood) kommen genau aus den Titeln mit hoher Privatanleger-Beteiligung und knappem Free-Float — dem Profil, das SPCX laut Berichten teilt.

Die Randzeiten sind kritisch

Die heftigsten Ausschläge passieren oft vor- und nachbörslich, bei dünner Liquidität. Wer in Pre- oder After-Hours zum Markt geht, handelt gegen genau diese Spreads.

Der Tail geht in beide Richtungen

Tesla +390,5 % nach drei Jahren auf der einen, Rivian −88,1 % auf der anderen Seite — Figma steht aktuell bei −80,5 %, allerdings erst nach gut 200 Handelstagen ohne volles Dreijahres-Fenster. Beide Extreme sind real — eine seriöse Erwartung an SPCX muss die ganze Bandbreite zulassen.

Der noch frischeste IPO — Figma: Das Design-Tool ging am 31.07.2025 an die NYSE, sprang vom Zeichnungspreis (33 US-Dollar) am ersten Tag um rund 250 % auf 115 US-Dollar und markierte kurz darauf ein Hoch bei ~143 US-Dollar. Keine zwölf Monate später notiert FIG bei nur noch 23 US-Dollar. Also etwa 80 % unter dem Hoch, beschleunigt durch neue KI-Konkurrenz im Design-Markt. Euphorischer Pop, dann zäher Drawdown: genau das Muster, das sich durch fast alle 16 Fälle zieht.

Unsere Lesart der Daten, ausdrücklich als Beobachtung und nicht als Rat: Das Chance-Risiko-Profil direkt nach einem Mega-IPO ist asymmetrisch: die kurzfristigen Verluste sind häufiger und systematischer als die kurzfristigen Gewinne. Das spricht für Zurückhaltung beim Einstieg zum ersten Kurs und macht eine Short- oder Abwarten-Haltung statistisch sinnvoller. Welche Seite am Ende recht behält, entscheidet allerdings wie immer alleine der Markt.

Solche Setups zerlegen wir regelmäßig. Datengetrieben, ohne Hype. Hol dir den kostenlosen Tradeletter.

Du musst das nicht allein machen

Spannend zu lesen — aber zu heikel, um selbst zu handeln?

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Methodik & Quellen

Das Universum umfasst 16 der größten Börsengänge von 2008 bis 2025, darunter zwei Direct Listings (Palantir, Coinbase) und ein ADR (Alibaba). Für den Dreijahres-Verlauf normieren wir alle Kurse auf den Schlusskurs des Listing-Tags und messen die kumulierte Rendite über bis zu 756 Handelstage. Für die Minuten-Analyse der ersten drei Tage normieren wir auf den regulären Eröffnungskurs von Tag 1 — nicht auf den oft viel niedrigeren IPO-Zeichnungspreis. Deshalb erscheint etwa Figmas vielzitierter Tag-1-Sprung von rund +250 % (gemessen am Zeichnungspreis von 33 US-Dollar) in unseren Minuten-Charts als +36,8 % Schluss gegenüber dem ersten regulären Kurs. Der erweiterte Modus bezieht Pre- und After-Hours mit ein. Alle Renditen sind %-Punkte relativ zur jeweiligen Basis.

  • Figma (Listing 31.07.2025) hat erst 212 Handelstage — Ein-, Zwei- und Dreijahres-Werte fehlen entsprechend und werden als „—" geführt, nicht als Null.
  • Median statt Durchschnitt, wo Ausreißer (Tesla +390,5 %, Rivian −88,1 %) das Bild verzerren würden.
  • Die Pre- und After-Hours-Daten sind um vereinzelte „Late Prints" bereinigt — verspätet gemeldete Trades, die einen Kurs vom Vortag tragen und sonst als Ausreißer erscheinen. Solche isolierten Punkte ersetzen wir durch den Verlauf der sauberen Nachbarminuten; echte Bewegungen bleiben unberührt.
  • Die genannten SpaceX-Eckdaten (Preis, Volumen, Bewertung, Lock-up-Termine, Float) sind Markterwartungen und Berichte — Projektionen, keine gesicherten Fakten. Wir markieren sie konsequent als solche.

Die genannten Eckdaten zum geplanten SpaceX-Börsengang sind Markterwartungen bzw. Berichte und keine gesicherten Fakten. Diese Darstellung dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.